PatientIn „Vandyk“ | 31. Jan. 2022

Liebes "mit MS leben" Team,
ich bin nach der Diagnostik im Krankenhaus etwas verunsichert und spiele mit dem Gedanken mir eine Zweitmeinung einzuholen.
Ich bin aktuell 50 Jahre und habe in meinem 17 LJ. das erste Mal Doppelbilder auf dem rechten Auge gesehen. Ein CT damals war unauffällig und es wurde als Prüfungsstress gewertet. Seitdem habe ich alle paar Monate abwechselnde Beschwerden gehabt (Gangstörungen, Schluckstörungen, Fatique, Kribbel in den Extremitäten, Taubheitsgefühle, Schwindel, und Missempfinden über längen Zeitraum an der gleichen Stelle mit Wechselnden Körperteilen sowie Spastiken in den Beinen und Händen sowie im Gesicht mit Schmerzen verbunden). Vor ca. 14 Jahren ging es mir so schlecht, dass ich völlig kraftlos war und eine Blutuntersuchung ergab Hashimoto Thyreoditis, die aber seit mehreren Jahren nun nicht mehr nachweisbar ist. Ich kämpfe mich nun seit meinem 17 LJ. so durchs Leben und die Beschwerden waren immer wieder rückläufig und ohne bleibenden Schäden. Vor ca. 6 Jahren fingen die Doppelbilder, Visusminderung und Farbentsättigung wieder an und mehrfache augenärztliche Untersuchungen blieben ohne Befund (außer Sehverschlechterung und Brillenverordnung). Parallel kamen wieder die oben genannten Beschwerden hinzu und die Abstände wurden kürzer und die Beschwerden blieben länger. Seit August letzten Jahres sind viele Einschränkungen zurückgeblieben und ich habe fast drei Monate mit Augenschmerzen und Doppelbildern gekämpft, dazu kommt eine ausgeprägte Dranginkontinenz sowie Verstopfung. Ein augenärztlicher Vertretungsarzt schickte mich daraufhin zum MRT. Dort fanden sich zahlreiche T2-hyperintense Läsionen periventrikulär, juctakortial und im Marklager. Da familiär eine Disposition für spätdiagnostiziere primär progrediente MS mütterlicherseits vorliegt wurde eine Vorstellung beim Neurologen empfohlen. Nun war ich zur Abklärung stationär mit folgendem Ergebnis. LDH erhöht 150, OKB Typ IV, MRZ alles negativ, Elektrophysiologie unauffällig, DUS unauffällig, Mikrobiologie unauffällig. Lhermitt-Zeichen und Trömnerreflexe positiv. Die zahlreichen Läsionen sind als entzündliche Genese gewertet, da aber OKB negativ sind und keine zeitliche Disemittation vorliegen werden die Läsionen als mikroangiopathisch gewertet. Meine Frage nun, ich gehe nicht davon aus, dass ich seit dem 17 LJ mikroangiopathische Läsionen habe und diese schon damals diese Beschwerden verursacht haben könnten und die hohe Anzahl ist für mich erklärend bei den vielen Beschwerden in den vielen Jahren. Sollte ich diesen Befund in Frage stellen ? Ist die hohe Anzahl nicht eine zeitliche Disemittation. Ich bin immer Vollzeit berufstätig und bisher immer trotz Beschwerden arbeiten gegangen, aber ich habe das Gefühl ich benötige dringend eine Therapie (z.B. Physiotherapie gegen die gebliebenen Schäden) sowie eine zielgerichtete Therapie um weitere Verschlechterung zu vermeiden. Ich möchte keine ärztliche Diagnostik in Frage stellen aber mir erschließt es sich nicht, da ich es seit Teenagerzeit habe. Ich würde mich sehr über eine Einschätzung freuen. Herzliche Grüße Vandyk

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Carsten Sievers
Neurologe|01. Feb. 2022

Hallo Vandyk,

eine MS erscheint mir unwahrscheinlich, weil trotz langjährigem Verlauf keine bleibenden Defizite zu bestehen scheinen, eine primär progrediente MSzeigt keine Rückbildungen. Das MRT und der Liquor passen nicht. Zu einer Zweitmeinung würde ich aber raten, weil die Ursache der Mikroangiopathie wohl nicht geklärt zu sein scheint, dabei sollten auch seltene Differentialdiagnosen der MS berücksichtigt werden. Für eine Zweitmeinung kommt eine Universitätklinik in Frage.

MfG

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