PatientIn „Martin“ | 28. März 2023

Hallo

Zunächst einmal vielen Dank für Ihre Arbeit die mir und ich bin überzeugt auch vielen anderen ein Teil ihrer Unsicherheit nimmt!

Bei mir Bestand vor 6 Monaten der Verdacht einer MS nachdem ich ein Taubheitsgefühl und kribbeln im linken Arm (entlang der äußeren Seite bis zum kleinen Finger/Ringfinger) und im linken Bein (an der Außenseite bis zum kleinen Zeh) hatte. Im Liquor wurde eine erhöhte Zellzahl festgestellt (36). Nachdem jedoch die MRT Befunde von Kopf + HWS und BWS negativ waren (wobei das MRT ohne Kontrastmittel durchgeführt wurde) und auch keine Oligoklonalen Banden festzustellen waren ging mein Neurologe doch eher davon aus das ich beide Nerven zeitlich sehr unglücklich eingeklemmt hatte. Neuroborreliose wurde auch ausgeschlossen.

Trotzdem soll ich in einigen Wochen noch einmal zur Kontrolle ein MRT von Kopf/HWS und BWS machen.

Leider ist es seither so dass ich immer wieder große Sorge habe das es sich doch um MS handelt und dann auch häufig wieder das kribbeln im Bein und/oder Arm spüre. Oder aktuell habe ich eine Erkältung und ein merkwürdiges brennen auf meiner Haut an Armen und Beinen. Ich bin mir unsicher ob diese Symptome wirklich ausschließlich psychosomatisch sein können?

Sollten auch die MRTs zur Kontrolle negativ ausfallen machen dann andere Tests noch Sinn? Sollte die Lumbalpunktion auch noch einmal wiederholt werden (wurde von meinen Ärzten bisher abgelehnt, da Sie keinen Diagnostischen Mehrwert sehen)? Wäre ein MRT mit Kontrastmittel sinnvoll oder hilft dieses nur bei der zeitlichen Unterscheidung der Entzündungen?

Vielen Dank schon einmal für Ihre Hilfe!

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Dr. med. Detlev Schneider
Neurologe|25. Apr. 2023

Sehr geehrter Martin,

eine sensible Störung an der ulnaren Armkante bis zur Hand spricht zunächst einmal für ein C8-Syndrom bzw. auch ein Sulcus ulnaris Syndrom und nicht für eine MS. 36 Zellen sind allerdings nicht normal, so dass man von einer Entzündung, am ehesten autoimmun oder als Reizpleozytose ausgehen muss. Eine Radikulitis (eine Entzündung einer oder mehrerer Nervenwurzeln wäre möglich) Es gibt viele Differentialdiagnosen. Eine Neuroborreliose hätte den Befund gut erklärt, die aber, wie Sie sagen, wurde sie ja ausgeschlossen. Daher muss die Laborchemie ausgeweitet werden (Liquordiagnostik: Wegweisend für die Differenzialdiagnose (aerzteblatt.de)). Es muss eine Erklärung für die Pleozytose geben. Eine MRT-Untersuchung mit KM kann die Wahrscheinlichkeit des Auffindens eines frischen Herdes und einen entzündlichen Fokus erhöhen und wäre in meinen Augen auch angezeigt. Insbesondere im Bereich der unteren HWS sollte dabei genau auf die Nervenwurzel C8 geachtet werden. Ob eine LP nochmals sinnvoll ist, ist schwierig zu beurteilen. Dies hängt davon ab, ob alle Parameter, die in Frage kommen, bestimmt wurden. Nicht einfach Ihr Fall. Berichten Sie, wie der weitere Verlauf sein wird.

Mit freundlichen Grüßen

PatientIn „Martin“ | 24. Apr. 2023

Sehr geehrter Herr Dr. Schneider,

Vielen Dank für ihre Antwort!

Ich habe tatsächlich nächste Woche und 2 Wochen später noch einmal MRT Termine und dann in etwa 4 Wochen einen Neurologentermin.

Allerdings ist es so dass nach dem brennenden Gefühl während der Erkältung nun seit 1-2 Wochen bei mir Muskelzucken in beiden Waden auftritt (fühlt sich wie Blubbern unter der Haut an) und auch Zucken am rechten Auge. Leider kann ich nicht ganz ausschließen dass dies nicht auch mit beruflichen Stress einhergeht.

Da ich auch damals vor dem Kribbeln mehrere Wochen eine Nebenhöhlenentzündung hatte, wollte ich fragen ob es hier einen Zusammenhang geben könnte? Macht es Sinn zu versuchen noch einen früheren Termin zu bekommen solange die Symptome auftreten? An sich sind diese jedoch so gering, dass ich ohne die bisherige Vorgeschichte wahrscheinlich nicht stärker darauf geachtet hätte und ich bin mit unsicher ob ohne die neuen MRTs neue Erkenntnisse zu gewinnen sind.

Danke schon einmal für Ihre Rückmeldung!

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Dr. med. Detlev Schneider
Neurologe|25. Apr. 2023

Sehr geehrter Martin,

nein, das Zittern der Muskulatur hat eher nichts damit zu tun. Meines Erachtens müsste man eher den Liquor kontrollieren, was aus der Pleozytose geworden ist. Nun, man muss bei Ihnen dran bleiben und den Verlauf abwarten. Über eine erweiterte Laborchemie hatte ich ja bereits berichtet. Viel mehr kann man aus der Ferne zu Ihrem Fall nicht sagen. Die erneute neurologische Vorstellung in 4 Wochen ist richtig und wichtig.

Mit freundlichen Grüßen

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