Ohne Diagnose und ratlos
Sehr geehrtes Expertenteam,
Danke für die schnelle und ausführliche Antwort auf meine Fragestellung.
Das ganze macht mich auch sehr stutzig, eigentlich müsste ja (nach meinem Verständnis) bei solch ausgeprägten Symptomen in den Beinen bzw. dem linken Bein mindestens eine spinale Läsion zu finden sein.
Oder ist es tatsächlich möglich, dass allein dieser eine periventrikuläre Herd, der in den Arztbriefen oft sogar nur als "entzündungssuspekt" oder "entzündlich anmutend" bezeichnet wird, für all diese Symptomatik verantwortlich ist?
Es scheint ja bei mir, schaut man sich die SSEP-Ergebnisse an, schon eine axonale Schädigung (wg. der reduzierten Amplitude links) vorzuliegen. Oft lese ich davon, dies sei erst im fortgeschritteneren Krankheitsstadium der Fall, aber die Latenzen scheinen ja normal zu sein.
Und dann auch die zeitweise pathologischen MEP, die ebenfalls auf keinen spinalen Herd zurückzuführen waren. Das alles wirft echt nur immer mehr Fragen auf.
Ich habe noch eine kurze Frage zu einem Symptom, welches ich seit ca. einer Woche beobachte:
Wenn ich auf einem harten Untergrund, z. B. einem hölzernen Stuhl längere Zeit sitze und dann aufstehe, verspüre ich bei den ersten paar Schritten beim Vorschwingen des linken Beins ein elektrisierendes Gefühl (wie ein kurzer Stromschlag) entlang des hinteren Unterschenkels bis in die Fußsohle. Dieses Gefühl tritt auf, wenn das Bein fast ganz gestreckt ist, und ist nach ein paar ganzen Schritten wieder verschwunden.
Könnte das so etwas ähnliches wie ein Lhermitte-Zeichen sein, evtl. mit Ursprung in der Lendenwirbelsäule?
Vielen Dank nochmals für Ihre Hilfe.
Liebe Grüße
Deine Frage beantwortet
Sehr geehrter Lalo,
ein einzelner Herd kann nicht zugleich an anatomisch unterschiedlichen Region für die Symptome verantwortlich sein.
SEP´s sind oft variabel und nur bei einer Seitendifferenz von mehr als 50 % und nur dann, wenn eine zeitversetzte Untersuchung den Befund bestätigt, als pathologisch zu werten. Es gibt sehr viele Einflussfaktoren, die die SEP-Werte verändern können (Untersuchungsraum, Widerstand der Elektroden, Lokalisation der Elektroden, ...). Demnach sollten die Messergebnisse zunächst erst einmal kontrolliert werden, bevor man sich Gedanken um mögliche Krankheitsursachen macht. Sind die Kontrolluntersuchungen allerdings erneut patologisch, muss man im gesamten Verlauf der Nerven von der Hand/Bein bis zum Kopf nach möglichen Auffälligkeiten untersuchen. Das kann z.T. sehr aufwändig sein.
Ihre Symptome im linken Bein würde ich eher einer Kompression ds N. ischiadicus (an der Rückseite des Oberschenkels/Beckenknochens) zuordnen, der durch Druck auf einer harten Unterlage vorrübergehend irritiert ist. Bei einem Lhermittschen Zeichen sollte symmetrisch an den Armen und/oder Beinen eine elektrisierende Missempfindung auftreten und nicht einseitig, wenn man den Kopf nach vorne neigt. Durch eine Dehnung des Rückenmarkes kommt es dann zu einer Reizung älterer Herde im Rückenmark.
Mit freundlichen Grüßen
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