PatientIn „Peter136“ | 12. Juli 2023

Hallo liebes Expertem-Team, seit meinen beiden Corona-Infekten im Jahr 2022 verschlechtert sich mein allgemeiner Gesundheitszustand und ich habe Angst an (PP)MS oder ALS zu leiden. Ich bin männlich, mittlerweile 31 Jahre alt und hatte bis dato keinerlei gesundheitliche Beschwerden und es hat sich nichts an meiner Lebenssituation oder meinen äußeren Umständen verändert.

Nach meinem zweiten Corona Infekt im April 2022 hatte ich im Mai 2022 einen Magen-Darm-Infekt der mich drei Tage außer Gefecht gesetzt hat. Im Juni 2022 erlitt ich einen einseitigen Ausfall meines Gleichgewicht-Organs im Ohr. Seitdem habe ich auch das Gefühl dass ich meine Umgebung nicht mehr so klar wahrnehme wie zuvor.
Im Juli 2022 hat es in meiner rechten Körperhälfte (Arm/Bein/Kopf) mit einem Kribbeln, rechtsseitig verschwommenes sehen und linksseitigen Kopfschmerzen angefangen, sodass ich mich in der Notaufnahme vorgestellt habe. Seit diesem Tag habe ich rechtsseitig eine Muskelschwäche im Arm und Bein und leichte Probleme mit der Feinmotorik. Dies merke ich u.a. wenn ich Gegenstände greifen möchte oder wenn ich etwas trage. Nach der Anstrengung verschlimmert sich das Zittern im rechten Arm deutlich, klingt jedoch wieder ab nach ca. 1 Tag. In der Klinik wurden 2 Tage lang neurologische Tests (Reflexe, VEP, ENG) inkl. Schädel-MRT durchgeführt und es wurden meine Halsschlagadern überprüft, jedoch ohne relevanten Befund.
Es wurde jedoch im frontalen paraventrikulären Marklager eine gliöse Läsion gefunden.
Im Mai 2023 hatte ich eines abends einen kurzen Schwindelanfall und daraufhin hat sich die Muskelschwäche im rechten Bein ein wenig verstärkt sodass ich nun beim Treppensteigen eine gewisse Instabilität im Knie merke, die seitdem auch nicht besser wurde. Zudem habe ich seitdem eine Zunahme eines brennenden Schmerzes in der rechten Schulter und eine Zunahme der Muskelsteifigkeit im rechten Arm und seit 1 Woche habe ich auch einen brennenden Schmerz in der linken Schulter.
Seit Juni 2023 treten vermehrt Herzrythmusstörungen auf, d.h. Ich hab in einer ruhigen Situation plötzlich einen Puls von nur 45 und in der nächsten Minute einen Puls von 170 und Atemnot. Das Phänomen hatte ich bisher ca. 5 mal und es war jedes Mal nach 30min vorbei. Beim erstmaligen Auftreten der Rythmusstörung hatte ich rechtsseitig ein Augenflimmern für ca. 5 Tage und für ca. 3-4 Wochen Durchfall. Ein Langzeit-EKG (24h) war ohne relevanten Befund, weil genau an diesem Tag keine Herzrythmusstörungen aufgetreten sind. Generell fühle ich mich seit Juni sehr erschöpft und müde inkl. konzentrationsproblemen und jeden Tag habe ich Taubheitsgefühle an unterschiedlichen Körperteilen die aber immer wieder auftauchen und wieder verschwinden. Vermehrt tritt das Taubheitsgefühl im rechten großen Zeh auf und neuerdings auch im Ringfinger am linken Arm. Ein Schädel-MRT vor 2 Wochen hat keine Änderung der Läsion ergeben. Ein Ganzkörper-MRT hat auch auch keine relevanten Befunde ergeben (kein Tumor o.ä.) Blutwerte inkl. Schilddrüse waren in Ordnung. Kurzzeitig spüre ich immer wieder ein kribbeln das mir schlagartig durch den ganzen Körper fährt und teilweise nur durch die Beine. Aufgrund der stetigen Zunahme der Symptome habe ich Angst in dem jungen Alter schon an PPMS zu leiden. Haben Sie irgend einen Tipp für mich damit ich den nächsten Termin beim Neurologe mit den richtigen Fragen etwas vorbereiten? Wie ist ihre Einschätzung der Situation und was könnte ich noch ausprobieren?
Grüße,
Peter

Profilbild des Experten

Deine Frage beantwortet

Dr. med. Detlev Schneider
Neurologe|13. Juli 2023

Sehr geehrter Peter,

unauffällige MRT´s sprechen klar gegen eine MS. Auch klinisch gibt es für mich keine plausiblen Hinweise auf eine PPMS. Dazu passen ganz und gar nicht die eher akut auftretenden Beschwerden. Auch für eine ALS spricht nichts, was man aus Ihren Schilderungen entnehmen kann. Möglicherweise sind es eher seelische Ursachen, die Sie krank machen. Eine Erkrankung, die mal nur den Ringfinger, mal den gesamten Körper, mal den Herzrhythmus, mal mit feinmotorische Störungen, mal ein Schwindel und Muskelsteifigkeit und Schmerzen verursacht, kenne ich nicht, zumal zahlreiche ergänzende Untersuchungen unauffällig waren. Es wären zahlreiche ganz unterschiedliche Organsysteme betroffen, die nichts miteinander zu tun haben. Meines Erachtens wäre eine psychologische Vorstellung bzw. einer Psychotherapie angezeigt, wenn der Neurologe ähnlich wie ich die Befunde einordnet.

Mit freundlichen Grüßen

Die Beiträge werden unverändert übernommen. Es erfolgt keine Prüfung oder Korrektur von Rechtschreibung, Grammatik oder darin getätigter Aussagen. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität dieser Beiträge übernimmt die Merck Healthcare Germany GmbH keine Verantwortung.