PatientIn „Jens“ | 13. Feb. 2023

Sehr geehrter Herr Dr. med. Schneider, ich bin seit einiger Zeit stiller Mitleser hier und habe mich nun aufgrund einer Antwort von Ihnen, ggü. einer anderen Person, entschlossen Ihnen zu schreiben.

Sie haben vor kurzem jemanden geantwortet, dass Sie bei mehreren gleichzeitig auftretenden Läsion im Myelon, weniger von einer viralen Ursache ausgehen.

Hintergrund ist, dass ich nach einem Infekt (4 Wochen später) massive Schmerzen am ganzen Körper entwickelt habe und im MRT 2 Läsionen im Thorax entdeckt wurden, welche sehr weit auseinander lagen (MRT wurde jedoch erst nach über 5 Wochen gemacht).

Nun ist es so, wenn ich mir hier die Fragen und Antoworten durchlese, dies alles nicht zu meinem Bild passst. Verdacht war eine postifektiöse Myeltis durch den Neurologen, im Klinkum zeigte sich von VEP, SEP usw. alles unaufällig, ebenso der Liquor. Hier konnte mir man nicht sagen was es ist. Im Kontroll MRT 5 Wochen später war nichts mehr zu sehen. Würden Sie mir zustimmen das hier etwas anatomisch nicht passt, zumindest wenn ich mir hier frühere Beiträge durchlese. Die mutmaßlich oberer Läsion war eher rechts, die unterere leicht mittig und nahmen beide kein Kontrastmittel auf. Könnte man auch an eine Durchblutungsstörung denken und eben auf Ihre andere Antwort bezogen, an was würden Sie bei mehreren Läsionen eher denken?

Weiter, wenn ich es in anderen Antworten richtig verstanden habe, müsste eine Läsionen in Bereich der sensiblen Bahnen ziemlich groß sein damit man symetrische Beschwerden hat?

Im Krankenhaus erklärte man mir, es hätte bei einer frischen Läsion oder Narbe etwas in den Messungen anzeigen müssen. Daher bin ich sehr Ratlos, ich kann nur sagen, dass ich massive Schmerzen habe.....

Besteht eigentlich die Möglichkeit, dass Sie einen Blick auf die Bilder werfen können?

Haben Sie vielen Dank und ich freue mich sehr von Ihnen zu Lesen.

PS: Kopf und HWS waren unauffällig. Die Beschwerden sind symetrisch und schwanken deutlich, manchmal meine ich diese Wandern hin und her.

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Deine Frage beantwortet

Dr. med. Detlev Schneider
Neurologe|14. Feb. 2023

Sehr geehrter Jens,

Läsionen im Bereich des Thorax können keine Schmerzen im gesamten Körper verursachen. Nur im Segment und unterhalb sind neurologische plausibel auf die Läsionen anatomisch zu beziehen. In Ihrem Fall ist überraschend, dass die Läsionen nach kurzer Zeit nicht mehr darstellbar waren. Eine Durchblutungsstörung ist eine sehr sehr seltene Ursache und tritt selbst bei Patienten mit thrombembolischen Ereignissen (z.B. bei einem Vorhofflimmern mit Thromben im Herzen) oder einer Gerinnungsstörung (Koagulopathie) nahezu nie auf. Die evozierten Potentiale können, müssen aber nicht pathologisch sein. Das hängt oft von der Größe und Lokalisation einer Läsion im Rückenmark ab. Leider kann ich mir Ihre Bilder nicht ansehen. Die Datenmenge wäre viel zu groß. Bei einer frischen Myelitis hätte ich erwartet, dass eine KM-Aufnahme vorliegen müsste. Auf der anderen Seite ist es natürlich abhängig von Zeitpunkt der Aufnahme. Vergeht zu viel Zeit bis zum MRT kann die KM-Aufnahme ausbleiben.

Aber es ist gut zu wissen, dass das Kontroll-MRT und auch die Aufnahmen vom Kopf keine weiteren Herde zeigten. Sie müssen in engem Kontakt zu Ihrer/m Neurologie/en bleiben. MRT-Kontrollen würde ich veranlassen (nach 6-12 Monaten). Derzeit ergibt sich kein Therapiebedarf, was auch immer es war. Die Diagnose läßt sich nicht immer direkt stellen und ergibt sich oft erst im Verlauf. Aktuell ist aber von einer MS nicht auszugehen. Lassen Sie uns im Kontakt bleiben, wenn zukünftig wieder mal etwas auftritt.

Mit freundlichen Grüßen

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