PatientIn „Apfelbutzen“ | 11. Jan. 2023

Guten Tag,

ich hatte Ende des Sommers Kopfschmerzen, Missempfindungen, Blasenprobleme und Schwindel über 3 Wochen.
Im MRT sieht man ca 20 Läsionen die mit einer MS vereinbar sind. Die Liquoruntersuchung und die Nervenleitermessung waren unauffällig. Das HWS und BWS MRT steht noch aus.
Manchmal habe ich noch leichte Missempfindungen, wie brennende Haut und oft Schwindel, manchmal kein so gutes Gleichgewicht.
Ich hatte schon vor ein paar Jahren mal Schmerzen und Missempfindungen für eine Woche, damals hies es, das sei von einer Migräne und wurde nicht weiter untersucht.

Ich habe das Schädel MRT und die Liquoruntersuchung erst 3 Monate nach den Symptomen gemacht. Kann es deshalb sein, dass keine aktiven Herde mehr zu sehen waren und der Liquor oB war?
Können denn so viele Läsionen auf einmal entstehen? Haben Die hierzu Erfahrungen?
Habe ich nun ein hohes Risiko MS zu bekommen, wegen der Anzahl der Läsionen?
Es läuft eine abschließende DD, aber der MRT Befund und die Anzahl der Läsionen verunsichert mich.
Können Blasenprobleme von dem CIS kommen? Wo kann kann man das im MRT sehen - eher im Kopf oder in HWS BWS?
MfG

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Dr. med. Detlev Schneider
Neurologe|31. Jan. 2023

Sehr geehrte/r Fragestellerin/r,

wenn bei Ihnen 20 Läsionen im Gehirn vorliegen, die für eine MS sprechen und im Vorfeld entsprechende neurologische Defizite waren, dann besteh bei Ihnen bereits die Diagnose MS und sollte behandelt werden ! Ein positiver Liquorbefund (Pleozytose, Oligoklonale Banden, pos. MRZ-Reaktion) ist zur Diagnosestellung nicht notwendig, sondern die Untersucung dienst dem Ausschluss anderer Erkrankungen, die ähnliche Bilder im MRT machen können. Der Liquor kann auch erst im Verlauf den entsprechenden Befund zeigen. Und natürlich kann es sein, dass man 3 Monate nach den klinischen Ausfällen keine Kontrastmittelaufnahme mehr nachweisbar ist. Sie sollten sich neurologisch bzgl. des weiteren Vorgehens / einer Behandlung beraten lassen, bevor sich noch mehr Herde entwickeln.

Mit freundlichen Grüßen

PatientIn „Apfelbutzen“ | 31. Jan. 2023

Guten Tag,

vielen Dank für die Antwort.

Ich erfülle anscheinend trotz der vielen Läsionen die McDonald-Kriterien nicht. Die frühere Missempfindung (halbes Gesicht taub, 1 Woche davor Augenschmerzen, aber normales Sehen) lassen sich wohl ohne MRT nicht eindeutig auf MS oder Migräne zurückführen, so habe ich den Arzt verstanden, deshalb ist die zeitliche Dissemination wohl nicht gegeben.

Nun habe ich aber noch weitere Fragen, und hoffe, dass Sie wieder weiterhelfen können:

Wenn es keine Läsionen in der HWS und BWS gibt, können auch Läsionen im Kopf halbseitige Missempfindungen (also z.B. linke Seite taub) hervorrufen?

Können Läsionen im Kopf Probleme mit der Blase machen? Oder würden das nur Läsionen im Rückenmark machen?

Und was sind axonale Verluste? Kann mir der Neurologe sagen, wo die sind und für was das Hirnareal zuständig ist?

Vielen Dank schon im Voraus

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Dr. med. Detlev Schneider
Neurologe|31. Jan. 2023

Sehr geehrte/r Fragestellerin/r,

Sorry, ich habe Ihre Frage jetzt erst gesehen. Natürlich und gerade typisch machen Herde im Kopf (Großhirn) halbseitige Störungen. Auch Blasenentleerungsstörungen können auftreten (kotrikales Blasenzentrum). Sie sin aber eher bei spinalen Läsionen zu beobachten. Nervenzellen bestehen aus langen Fasern, die im Zentrum ein Axon haben und drum herum eine Hülle = Myelinscheide. Axone finden sich demnach im gesamten Nervensystem vom Kopf bis zu Fuß.

MIt freundlichen Grüßen

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